Flug No. 3: BERLIN
BERLIN BERLIN – ich fliege nach Berlin.
Oder: Wo sind nur die Punker geblieben?
Es war soweit: ich hatte gebucht, und nun war der Tag des Abfluges gekommen. Und diesmal sollte es nicht nur ein Tag sein, nein, gleich 3! Tage nebst 2 Übernachtungen hatte ich gebucht. (Aber mit dem Hintergedanken, dass die Züge – so sie nicht streiken – mich auch früher wieder nach Hause bringen können J ).
Wieder mal stand ich um 4 Uhr morgens auf, mein lieber großer Sohn Sven musste mich zum Flughafen Köln-Bonn fahren, die üblichen Bemerkungen ob seines Fahrstiles musste er auch wieder ertragen. Rechtzeitig waren wir da, er schmiss mich einfach aus dem Auto – und da stand ich nun, ganz allein und wollte mich doch durchkämpfen. Den Flugplatz kannte ich jetzt schon zur Genüge, ich dachte, hier kann ich mich nicht mehr verlaufen. Ich musste allerdings beim Hinkommen erkennen, dass ich bei meinem Flug nach Leipzig schon falsch gefahren war (nämlich in Richtung Ankunft, nicht Abflug). Aber heute war ich richtig!
Eingecheckt, gesimst mit Sven, der bereits nach 45 Minuten! die Heimkehr verkündete – er war wohl auch geflogen!
Und schon war ich im Flieger, ach, ist schon „fast“ nichts besonderes mehr, ganz „Vielfliegerin“ las ich mir eine Zeitung. Bei der Ankunft am Airport Berlin Schönefeld wurden wir dann erst mal quer über das Flugfeld gelotst von einem Gate zum nächsten, aber auch die Koffer kamen am richtigen Band an. Und auf dem Band stand in großen Lettern: BERLIN WELCOME CARD. Hatte ich gehört bzw. gelesen. Dreitageskarte für S- und Deutsche Bahn. Wollte ich haben.
Und da war er wieder: der Kartenautomat. Herrlich, diese berührungsunängstlichen Bildschirme. Nur- kein Auswahlfeld BERLIN WELCOME CARD. Pärchen vor mir löste einfach für 7 Tage, Russe neben mir verstand kein Wort, also löste ich einfach nur eine Tageskarte – bis 3 Uhr morgens gültig. Tja, ich hatte ja noch so einiges vor!
Mit großen Augen ging es dann zum Bahnhof Schönefeld – über einen sehr neuen, sauberen, überdachten Glasgang, hinab in die Katakomben des Bahnhofs. Ideal für mit Inliner Rollen ausgestattete Trolley-besitzende weibliche Wesen, keine Treppen, sondern eine lange Rampe, gaannz easy zu begehen.
Ach, was soll ich erzählen – Karte natürlich ordnungsgemäß entwertet und schon ging es rein in den Zug, R14 Richtung Bahnhof Zoo. Natürlich kam eine Schaffnerin, prüfte Mitreisende, die – wie konnten sie nur – versäumt hatten zu entwerten oder sogar ganz falsche Karten gezogen hatten. (Es gibt in Berlin halt 3 Bezirke, ich hatte wohlweißlich einfach mal für alle 3 gedrückt um nur ja nichts falsch zu machen J ).
Und nach einer halben Stunde Fahrt kam ich schon am Bahnhof Zoo an. Wo waren nun die Punker, die ich von früher (vor 24 Jahren war ich schon mal hier!) her kannte? Alles blitzblank, sauber, ordentlich, der Bahnsteig wie geleckt. Einfach „Schnieke“. Kein Krümelchen zu sehen. Und wenn doch mal ein Bröckchen fiel, kam ein Spatz oder eine Taube und schon war alles wieder sauber. Ok, draußen waren so 2 oder 3 schwarz gekleidete Jüngelchen, aber sie hatten noch ihre Originalhaarfarbe, waren also keine echten Punker.
Naja, erst mal das Hotel suchen. Gebucht hatte ich ein ganz neues Hotel, Motel One am KU’damm mit Namen. Vorbereitet wie ich war, zückte ich nur den Internet-Stadtplanausdruck. Und fand mich absolut nicht zurecht. Sollte ich rechts rum oder links rum, Bahnhof im Rücken oder vor der Nase, oder doch lieber gleich wieder nach einem Zug nach Hause fragen? Nein. Einfach mal den anderen hinterher. Nach 50 Metern fragte ich dann doch lieber einen Blumenhändler nach der Kantstraße. Er lächelte mich so nett an, deutete auf die nächste Straßenkreuzung (in 10 Metern Entfernung!) und sagte: „Gleich die nächste rechts ist es schon.“ Strahlen in meinen Augen, hach, hatte ich es doch wieder richtig gemacht. Forsch vorangeschritten, Trolley hinter mit herziehend und um die Ecke gebogen. Dabei verschämt zur Seite geschaut, denn das Geschäft, an dem ich vorbeiging, war wohl DER weltgrößte EROS-SHOP. Männer mit hochgeschlagenen Mantelkrägen gingen ein und aus. Was war denn das für eine Ecke, in der ich da gelandet war?! Aber schon kurze Zeit später sah ich die blaue einladende Schrift MOTEL ONE mich anstrahlen. Es war kurz vor 10 Uhr morgens und ich war angekommen. Die Lobby war voll, ich viel zu früh. Check in eigentlich erst um 15.00 Uhr. Aber, meinte die nette Empfangsdame, ich könnte so um 13.00 Uhr mal fragen, dann wäre bestimmt schon ein Zimmer fertig. Den Koffer konnte ich schon bei ihr lassen, und so nahm ich die Stadt BERLIN in Angriff.
Beziehungsweise den Zoo, der nur knappe 300 Meter entfernt war. Kein Problem, den zu Fuß zu erreichen. Und wieder mal schloss ich den Tierpark fast auf. Riesengroß, die Wege wunderschön angelegt, unter strahlend blauem Himmel wanderte ich von einem Gehege zum nächsten, Bilder schießend, Knut suchend. Da, das Eisbärengehege. Tja, aber die vier Eisbären waren zwar groß und weiß, aber sie hießen alle nicht KNUT. Also weiter gings. Der Berliner Zoo ist wirklich herrlich, alte Bäume, Blätter so bunt gefärbt, viele exotische Tiere in großen Gehegen. Nur: ohne Plan kann man – sprich Birgit – sich schon verlaufen. Nachdem ich zum 3. Mal am Affenhaus vorbeigekommen war, ohne KNUT auch nur einmal gesehen zu haben, fingen meine Füße langsam an, weh zu tun. Die Wege sind sehr schön gepflastert, aber absolut nicht für mehrstündiges Belaufen geeignet! Aber da sah ich ein kleines Hinweisposter mit einem kleinen weißen Eisbären drauf. KNUT. Dort lang. Und schon sah ich – den Verkaufsstand, wo ich schnell ein Kuscheltier nebst Buch erstand. (Erste Aufgabe erfüllt, Knut für Jule erstehen). Es war noch leer im Zoo, aber seltsamerweise sammelte sich eine Menschentraube vor einer Mauer. Nix wie hin, und da lag er: KNUT. Der Graubär. Wenn ich es nicht von allen gehört hätte, ich hätte nicht geglaubt, dass dieses schmuddelige Etwas ein Eisbär war. Doch nicht alles soo sauber in BERLIN J .
Aber da gab es ja noch das Aquarium. Und das ist wirklich einen – nein zwei – Besuche wert: riesige Aquarien mit faszinierenden Tieren, Quallen, Moränen, Haien, ich konnte mich nicht satt sehen. Wenn nur die Füße auch sehen könnten, sie hätten nicht so gejammert! Im Erdgeschoss die Fische, im 1. Obergeschoss die Reptilien, herrliche Schlangen, Echsen, im 2. Obergeschoss die Insekten (Vogelspinnen sind nicht so mein Fall) aber ich kann Stunden vor diesen Terrarien verbringen ohne genug zu haben. Und das besondere am Berliner Zoo: die Echsen wie auch die Schlangen lagen nicht einfach träge herum, nein, sie stritten sich, sie krochen und schlichen herum, sie bewegten sich. Ganz anders als in anderen Zoos, wo diese Tiere kaum als solche zu erkennen waren.
Tja, aber irgendwann ging es nicht mehr. Die Füße wollten sich hochlegen, so wanderte ich die paar Meter zum Hotel zurück. Und erhielt meine Karte fürs Zimmer. Erster Stock, schön ruhig abgewendet vom Bahngleis gelegen – andere hatten mehr Pech bzw. Geräuschkulisse im Zimmer. Rein ins Zimmer rauf aufs Bett – und ich verfiel in tiefe Depression oder wie man dieses Gefühl nennt, wenn man eigentlich alles gesehen hat, was man hauptsächlich wollte und einfach nur noch nach Hause wollte in die gewohnte Umgebung. Birgit kam wieder raus L, schlimmer noch, irgendwann holte sie das Handy raus und wählte die Homezone an. Und bekam kein Wort mehr raus. „Ttttttschüsssss“.
Das Fernsehen lief die ganze Nacht, irgendwann schlief ich ein.
Am nächsten Morgen: eisekalt, aber knallblauer Himmel, und meine Laune wurde immer besser. Super gut gefrühstückt in der „Launch“, Tee bis zum Abwinken, Kaffee, Eier, Käse, Marmelade und und und. Da blieb kein Wunsch offen. (Übrigens bin ich wie gewohnt um 6.30 Uhr aufgewacht, aber dann bis 8.00 Uhr liegengeblieben – herrlich J!)
Aus guter Quelle wusste ich (danke an Doris B.), da fährt ein Bus 3 Stunden rund durch Berlin, hält an einigen Stellen, Ein- und Aussteigen gewünscht. Und siehe da: die erste Haltestelle lag auch wieder nur 200 Meter vom Hotel entfernt. Hin und Karte auch für die Bootstour gelöst und ab ging es. Natürlich haben wir nur die toll restaurierten Bauwerke gesehen, alles so groß und tatsächlich so sauber. Selbst das Laub unter den Bäumen war sauber zusammengekehrt.
Haltestelle 10 kam, dort raus und ab ans Spreeufer, rein ins Boot. Und hier vermisste ich ein ganz wichtiges Reiseutensil, dass ich zu Hause vergessen hatte: das selbst aufblasbare Sitzkissen (danke an Dieter B.)! Denn oben im Freien sitzend war es „arsch“kalt, aber Frau ist ja nicht dumm, legte einfach ihre Tasche unter (die Wärme tat allerdings der Not-Ration Schokolade in ebenjener Tasche nicht soooo gut).
Gut, eine Stunde die Spree rauf und runter, dem Bootsführer gut zugehört, und was sagte er da: in seiner Erzählung kam auch eine Ägyptische Ausstellung vor, das Neue Museum, das in 2009 wieder eröffnet wird, Nofretete wurde schön erwähnt. Und das ganze auch noch mal in Englisch: NofriTITI. Einfach Herrlich, die Berliner.
So, mein nächster Punkt war das Historische Museum, denn hier war die Karl-May Ausstellung zur Zeit zu sehen. Irgendwann hatte ich den Stadtplan dann kapiert und siehe da: dieses Museum war wieder nur 200 Meter vom Landepunkt des Bootes entfernt. Ach, was hatten es meine Füße heute gut! Leichtfüßig wie selten trugen sie mich über die Brücke, vorbei an einer Liegewiese mit herrlichen Figuren. Und man glaubt es kaum: alles in Berlin ist teuer, sei es die Busfahrt, die Bahnfahrt, der Capuccino oder die Wasserflasche. Aber das Museum: 5,00 Euro, und dazu sagte die Dame auch noch: „Der Eintritt gilt für alle 4 Ausstellungen“!
Allerdings: so bildungsversessen bin ich nun doch wieder nicht, die Karl-May-Ausstellung reichte mir voll und ganz. Und was war das Beste? Die Ausstellung führte über 2 Etagen mit Schriftstücken, Mokassins, Lederhemden, Häuptlingsfederschmuck und vielem mehr. Aber als ich um eine Ecke ging, hörte ich bekannte Töne. Neugierig natürlich hingeschaut, da saß ein Mann in einem Raum, neben ihm 20 leere Stühle und vor ihm eine Leinwand, auf dem wohl ein Karl May Verschnitt etwas erzählte. Was genau hab ich verpasst, aber nicht das, was dann kam. Ausschnitte aus ganz alten Filmen, aber auch aus Winnetou und weiteren Filmen. Und was war nun das Beste? Ausschnitte aus „Der Schuh des Manitu“. Wieder herrlich, die Anfangsszene zu sehen, wo Blutsbrüder widerstrebend zueinander finden J.
Nach Stunden! kam ich endlich wieder ans Tageslicht und sollte mich nun doch bemühen, den letzten Rundreisebus noch zu erwischen. Also wieder die 200 Meter zurückgegangen, sogar ohne den Stadtplan zu benutzen. Und dabei auch noch einen Blick auf das Filmset von Tom Cruise geworfen. (Natürlich war alles schön verhüllt und bodyguardmäßig abgeriegelt, aber immerhin habe ich es von ferne gesehen, ist ja auch erwähnenswert!)
An der Bushalte warteten noch einige andere, ich war mir also sicher, richtig zu sein. Bus kam auch, eingestiegen und los ging es zu einer weiteren Rundreisestunde durch Berlin. Wieder Häuser in Massen und: vor mir saß ein älteres russisches Ehepaar, und als der Bus an einem großen Platz mit vielen weißen LKW`s vorbeifuhr, rief er ihr zu:“ Schau, Markt!“ – Es war allerdings der Parkplatz des Filmsets, groß ausgeschildert und mit so viel Technik versehen, das hatte alles, nur nichts von einem Gemüse-Markt!
Es wurde schon dunkel, da kam ich wieder an der Haltestelle 1an. Und merkte meinen sehr leeren Magen sehr plötzlich. Und was sahen meine Augen: ein lecker Chinese/Vietnamese hatte sein Lokal gleich zwischen meinem Hotel und dem Erosshop – hätte ich nur gestern genauer hingesehen! Also nur kurz die Einkäufe im Hotel abgelegt und rein ins Lokal. Es war einfach nur lecker! Und was dann? Nachtleben ist allein in Berlin nicht so einfach zu „erleben“, also ein Kino gesucht. Und wieder einmal war ich so froh, mein Hotel mittendrin gewählt zu haben: es waren vielleicht 400 Meter zum nächstgelegenen Kino. „Ratatouille“, ach, lacht ihr ruhig, ich habe auch gelacht im Film!
Glücklich schlief ich diesmal ein, kein Gedanke daran, frühzeitiger mit dem Zug abzufahren!
Der Dienstag war wieder ein Tag ganz nach meinem Geschmack: wieder blauer Himmel, Sonnenschein, ein Tag, einfach nur zum Geldausgeben gemacht! Habe ich dann auch in Ansätzen – in großen Ansätzen – ausgeführt (ich liebe meine neue Kreditkarte J ).
Und einfach nur das gemacht, worauf ich Lust hatte: ich bin noch mal in den Zoo – besser gesagt, diesmal nur ins Aquarium – gegangen.
AUGENBLICKE festgehalten:
siehe Album
So, all das erlebt und nun ging es ab Richtung Flughafen: kein Streik in Sicht (das hätte mir auch noch gefehlt), so konnte ich geruhsam den Heimweg antreten. Und was passiert?
Am Bahnhof Schönefeld in den Katakomben angekommen wieder mit dem Trolleykoffer die schöne Rampe runter und wieder raufgefahren, da steht so ein weiß! gekleideter PUNKER vor mir und fragt: „Brauchen Sie ihr Bahnticket noch?“ Nix mit „Hasse mal ne Mark“.
War doch schön, der Besuch von Berlin!
Viel Spaß beim Lesen J Birgit
Oder: Wo sind nur die Punker geblieben?
Es war soweit: ich hatte gebucht, und nun war der Tag des Abfluges gekommen. Und diesmal sollte es nicht nur ein Tag sein, nein, gleich 3! Tage nebst 2 Übernachtungen hatte ich gebucht. (Aber mit dem Hintergedanken, dass die Züge – so sie nicht streiken – mich auch früher wieder nach Hause bringen können J ).
Wieder mal stand ich um 4 Uhr morgens auf, mein lieber großer Sohn Sven musste mich zum Flughafen Köln-Bonn fahren, die üblichen Bemerkungen ob seines Fahrstiles musste er auch wieder ertragen. Rechtzeitig waren wir da, er schmiss mich einfach aus dem Auto – und da stand ich nun, ganz allein und wollte mich doch durchkämpfen. Den Flugplatz kannte ich jetzt schon zur Genüge, ich dachte, hier kann ich mich nicht mehr verlaufen. Ich musste allerdings beim Hinkommen erkennen, dass ich bei meinem Flug nach Leipzig schon falsch gefahren war (nämlich in Richtung Ankunft, nicht Abflug). Aber heute war ich richtig!
Eingecheckt, gesimst mit Sven, der bereits nach 45 Minuten! die Heimkehr verkündete – er war wohl auch geflogen!
Und schon war ich im Flieger, ach, ist schon „fast“ nichts besonderes mehr, ganz „Vielfliegerin“ las ich mir eine Zeitung. Bei der Ankunft am Airport Berlin Schönefeld wurden wir dann erst mal quer über das Flugfeld gelotst von einem Gate zum nächsten, aber auch die Koffer kamen am richtigen Band an. Und auf dem Band stand in großen Lettern: BERLIN WELCOME CARD. Hatte ich gehört bzw. gelesen. Dreitageskarte für S- und Deutsche Bahn. Wollte ich haben.
Und da war er wieder: der Kartenautomat. Herrlich, diese berührungsunängstlichen Bildschirme. Nur- kein Auswahlfeld BERLIN WELCOME CARD. Pärchen vor mir löste einfach für 7 Tage, Russe neben mir verstand kein Wort, also löste ich einfach nur eine Tageskarte – bis 3 Uhr morgens gültig. Tja, ich hatte ja noch so einiges vor!
Mit großen Augen ging es dann zum Bahnhof Schönefeld – über einen sehr neuen, sauberen, überdachten Glasgang, hinab in die Katakomben des Bahnhofs. Ideal für mit Inliner Rollen ausgestattete Trolley-besitzende weibliche Wesen, keine Treppen, sondern eine lange Rampe, gaannz easy zu begehen.
Ach, was soll ich erzählen – Karte natürlich ordnungsgemäß entwertet und schon ging es rein in den Zug, R14 Richtung Bahnhof Zoo. Natürlich kam eine Schaffnerin, prüfte Mitreisende, die – wie konnten sie nur – versäumt hatten zu entwerten oder sogar ganz falsche Karten gezogen hatten. (Es gibt in Berlin halt 3 Bezirke, ich hatte wohlweißlich einfach mal für alle 3 gedrückt um nur ja nichts falsch zu machen J ).
Und nach einer halben Stunde Fahrt kam ich schon am Bahnhof Zoo an. Wo waren nun die Punker, die ich von früher (vor 24 Jahren war ich schon mal hier!) her kannte? Alles blitzblank, sauber, ordentlich, der Bahnsteig wie geleckt. Einfach „Schnieke“. Kein Krümelchen zu sehen. Und wenn doch mal ein Bröckchen fiel, kam ein Spatz oder eine Taube und schon war alles wieder sauber. Ok, draußen waren so 2 oder 3 schwarz gekleidete Jüngelchen, aber sie hatten noch ihre Originalhaarfarbe, waren also keine echten Punker.
Naja, erst mal das Hotel suchen. Gebucht hatte ich ein ganz neues Hotel, Motel One am KU’damm mit Namen. Vorbereitet wie ich war, zückte ich nur den Internet-Stadtplanausdruck. Und fand mich absolut nicht zurecht. Sollte ich rechts rum oder links rum, Bahnhof im Rücken oder vor der Nase, oder doch lieber gleich wieder nach einem Zug nach Hause fragen? Nein. Einfach mal den anderen hinterher. Nach 50 Metern fragte ich dann doch lieber einen Blumenhändler nach der Kantstraße. Er lächelte mich so nett an, deutete auf die nächste Straßenkreuzung (in 10 Metern Entfernung!) und sagte: „Gleich die nächste rechts ist es schon.“ Strahlen in meinen Augen, hach, hatte ich es doch wieder richtig gemacht. Forsch vorangeschritten, Trolley hinter mit herziehend und um die Ecke gebogen. Dabei verschämt zur Seite geschaut, denn das Geschäft, an dem ich vorbeiging, war wohl DER weltgrößte EROS-SHOP. Männer mit hochgeschlagenen Mantelkrägen gingen ein und aus. Was war denn das für eine Ecke, in der ich da gelandet war?! Aber schon kurze Zeit später sah ich die blaue einladende Schrift MOTEL ONE mich anstrahlen. Es war kurz vor 10 Uhr morgens und ich war angekommen. Die Lobby war voll, ich viel zu früh. Check in eigentlich erst um 15.00 Uhr. Aber, meinte die nette Empfangsdame, ich könnte so um 13.00 Uhr mal fragen, dann wäre bestimmt schon ein Zimmer fertig. Den Koffer konnte ich schon bei ihr lassen, und so nahm ich die Stadt BERLIN in Angriff.
Beziehungsweise den Zoo, der nur knappe 300 Meter entfernt war. Kein Problem, den zu Fuß zu erreichen. Und wieder mal schloss ich den Tierpark fast auf. Riesengroß, die Wege wunderschön angelegt, unter strahlend blauem Himmel wanderte ich von einem Gehege zum nächsten, Bilder schießend, Knut suchend. Da, das Eisbärengehege. Tja, aber die vier Eisbären waren zwar groß und weiß, aber sie hießen alle nicht KNUT. Also weiter gings. Der Berliner Zoo ist wirklich herrlich, alte Bäume, Blätter so bunt gefärbt, viele exotische Tiere in großen Gehegen. Nur: ohne Plan kann man – sprich Birgit – sich schon verlaufen. Nachdem ich zum 3. Mal am Affenhaus vorbeigekommen war, ohne KNUT auch nur einmal gesehen zu haben, fingen meine Füße langsam an, weh zu tun. Die Wege sind sehr schön gepflastert, aber absolut nicht für mehrstündiges Belaufen geeignet! Aber da sah ich ein kleines Hinweisposter mit einem kleinen weißen Eisbären drauf. KNUT. Dort lang. Und schon sah ich – den Verkaufsstand, wo ich schnell ein Kuscheltier nebst Buch erstand. (Erste Aufgabe erfüllt, Knut für Jule erstehen). Es war noch leer im Zoo, aber seltsamerweise sammelte sich eine Menschentraube vor einer Mauer. Nix wie hin, und da lag er: KNUT. Der Graubär. Wenn ich es nicht von allen gehört hätte, ich hätte nicht geglaubt, dass dieses schmuddelige Etwas ein Eisbär war. Doch nicht alles soo sauber in BERLIN J .

Aber da gab es ja noch das Aquarium. Und das ist wirklich einen – nein zwei – Besuche wert: riesige Aquarien mit faszinierenden Tieren, Quallen, Moränen, Haien, ich konnte mich nicht satt sehen. Wenn nur die Füße auch sehen könnten, sie hätten nicht so gejammert! Im Erdgeschoss die Fische, im 1. Obergeschoss die Reptilien, herrliche Schlangen, Echsen, im 2. Obergeschoss die Insekten (Vogelspinnen sind nicht so mein Fall) aber ich kann Stunden vor diesen Terrarien verbringen ohne genug zu haben. Und das besondere am Berliner Zoo: die Echsen wie auch die Schlangen lagen nicht einfach träge herum, nein, sie stritten sich, sie krochen und schlichen herum, sie bewegten sich. Ganz anders als in anderen Zoos, wo diese Tiere kaum als solche zu erkennen waren.
Tja, aber irgendwann ging es nicht mehr. Die Füße wollten sich hochlegen, so wanderte ich die paar Meter zum Hotel zurück. Und erhielt meine Karte fürs Zimmer. Erster Stock, schön ruhig abgewendet vom Bahngleis gelegen – andere hatten mehr Pech bzw. Geräuschkulisse im Zimmer. Rein ins Zimmer rauf aufs Bett – und ich verfiel in tiefe Depression oder wie man dieses Gefühl nennt, wenn man eigentlich alles gesehen hat, was man hauptsächlich wollte und einfach nur noch nach Hause wollte in die gewohnte Umgebung. Birgit kam wieder raus L, schlimmer noch, irgendwann holte sie das Handy raus und wählte die Homezone an. Und bekam kein Wort mehr raus. „Ttttttschüsssss“.
Das Fernsehen lief die ganze Nacht, irgendwann schlief ich ein.
Am nächsten Morgen: eisekalt, aber knallblauer Himmel, und meine Laune wurde immer besser. Super gut gefrühstückt in der „Launch“, Tee bis zum Abwinken, Kaffee, Eier, Käse, Marmelade und und und. Da blieb kein Wunsch offen. (Übrigens bin ich wie gewohnt um 6.30 Uhr aufgewacht, aber dann bis 8.00 Uhr liegengeblieben – herrlich J!)
Aus guter Quelle wusste ich (danke an Doris B.), da fährt ein Bus 3 Stunden rund durch Berlin, hält an einigen Stellen, Ein- und Aussteigen gewünscht. Und siehe da: die erste Haltestelle lag auch wieder nur 200 Meter vom Hotel entfernt. Hin und Karte auch für die Bootstour gelöst und ab ging es. Natürlich haben wir nur die toll restaurierten Bauwerke gesehen, alles so groß und tatsächlich so sauber. Selbst das Laub unter den Bäumen war sauber zusammengekehrt.
Haltestelle 10 kam, dort raus und ab ans Spreeufer, rein ins Boot. Und hier vermisste ich ein ganz wichtiges Reiseutensil, dass ich zu Hause vergessen hatte: das selbst aufblasbare Sitzkissen (danke an Dieter B.)! Denn oben im Freien sitzend war es „arsch“kalt, aber Frau ist ja nicht dumm, legte einfach ihre Tasche unter (die Wärme tat allerdings der Not-Ration Schokolade in ebenjener Tasche nicht soooo gut).
Gut, eine Stunde die Spree rauf und runter, dem Bootsführer gut zugehört, und was sagte er da: in seiner Erzählung kam auch eine Ägyptische Ausstellung vor, das Neue Museum, das in 2009 wieder eröffnet wird, Nofretete wurde schön erwähnt. Und das ganze auch noch mal in Englisch: NofriTITI. Einfach Herrlich, die Berliner.
So, mein nächster Punkt war das Historische Museum, denn hier war die Karl-May Ausstellung zur Zeit zu sehen. Irgendwann hatte ich den Stadtplan dann kapiert und siehe da: dieses Museum war wieder nur 200 Meter vom Landepunkt des Bootes entfernt. Ach, was hatten es meine Füße heute gut! Leichtfüßig wie selten trugen sie mich über die Brücke, vorbei an einer Liegewiese mit herrlichen Figuren. Und man glaubt es kaum: alles in Berlin ist teuer, sei es die Busfahrt, die Bahnfahrt, der Capuccino oder die Wasserflasche. Aber das Museum: 5,00 Euro, und dazu sagte die Dame auch noch: „Der Eintritt gilt für alle 4 Ausstellungen“!
Allerdings: so bildungsversessen bin ich nun doch wieder nicht, die Karl-May-Ausstellung reichte mir voll und ganz. Und was war das Beste? Die Ausstellung führte über 2 Etagen mit Schriftstücken, Mokassins, Lederhemden, Häuptlingsfederschmuck und vielem mehr. Aber als ich um eine Ecke ging, hörte ich bekannte Töne. Neugierig natürlich hingeschaut, da saß ein Mann in einem Raum, neben ihm 20 leere Stühle und vor ihm eine Leinwand, auf dem wohl ein Karl May Verschnitt etwas erzählte. Was genau hab ich verpasst, aber nicht das, was dann kam. Ausschnitte aus ganz alten Filmen, aber auch aus Winnetou und weiteren Filmen. Und was war nun das Beste? Ausschnitte aus „Der Schuh des Manitu“. Wieder herrlich, die Anfangsszene zu sehen, wo Blutsbrüder widerstrebend zueinander finden J.
Nach Stunden! kam ich endlich wieder ans Tageslicht und sollte mich nun doch bemühen, den letzten Rundreisebus noch zu erwischen. Also wieder die 200 Meter zurückgegangen, sogar ohne den Stadtplan zu benutzen. Und dabei auch noch einen Blick auf das Filmset von Tom Cruise geworfen. (Natürlich war alles schön verhüllt und bodyguardmäßig abgeriegelt, aber immerhin habe ich es von ferne gesehen, ist ja auch erwähnenswert!)
An der Bushalte warteten noch einige andere, ich war mir also sicher, richtig zu sein. Bus kam auch, eingestiegen und los ging es zu einer weiteren Rundreisestunde durch Berlin. Wieder Häuser in Massen und: vor mir saß ein älteres russisches Ehepaar, und als der Bus an einem großen Platz mit vielen weißen LKW`s vorbeifuhr, rief er ihr zu:“ Schau, Markt!“ – Es war allerdings der Parkplatz des Filmsets, groß ausgeschildert und mit so viel Technik versehen, das hatte alles, nur nichts von einem Gemüse-Markt!
Es wurde schon dunkel, da kam ich wieder an der Haltestelle 1an. Und merkte meinen sehr leeren Magen sehr plötzlich. Und was sahen meine Augen: ein lecker Chinese/Vietnamese hatte sein Lokal gleich zwischen meinem Hotel und dem Erosshop – hätte ich nur gestern genauer hingesehen! Also nur kurz die Einkäufe im Hotel abgelegt und rein ins Lokal. Es war einfach nur lecker! Und was dann? Nachtleben ist allein in Berlin nicht so einfach zu „erleben“, also ein Kino gesucht. Und wieder einmal war ich so froh, mein Hotel mittendrin gewählt zu haben: es waren vielleicht 400 Meter zum nächstgelegenen Kino. „Ratatouille“, ach, lacht ihr ruhig, ich habe auch gelacht im Film!
Glücklich schlief ich diesmal ein, kein Gedanke daran, frühzeitiger mit dem Zug abzufahren!
Der Dienstag war wieder ein Tag ganz nach meinem Geschmack: wieder blauer Himmel, Sonnenschein, ein Tag, einfach nur zum Geldausgeben gemacht! Habe ich dann auch in Ansätzen – in großen Ansätzen – ausgeführt (ich liebe meine neue Kreditkarte J ).
Und einfach nur das gemacht, worauf ich Lust hatte: ich bin noch mal in den Zoo – besser gesagt, diesmal nur ins Aquarium – gegangen.
AUGENBLICKE festgehalten:
siehe Album
So, all das erlebt und nun ging es ab Richtung Flughafen: kein Streik in Sicht (das hätte mir auch noch gefehlt), so konnte ich geruhsam den Heimweg antreten. Und was passiert?
Am Bahnhof Schönefeld in den Katakomben angekommen wieder mit dem Trolleykoffer die schöne Rampe runter und wieder raufgefahren, da steht so ein weiß! gekleideter PUNKER vor mir und fragt: „Brauchen Sie ihr Bahnticket noch?“ Nix mit „Hasse mal ne Mark“.
War doch schön, der Besuch von Berlin!
Viel Spaß beim Lesen J Birgit
suesses.traeumerle - 25. Okt, 15:15